Johann Baptist Bauer
geboren 06.05.1865 (Hofkirchen), gestorben 28.10.1954 (München)
Multinationales Multitalent
Bauer war in Bayern geboren und aufgewachsen, aber noch als Jugendlicher in die USA ausgewandert und wurde dort zum Priester ausgebildet. Diesen Beruf übte er auch viele Jahre aus. In der Mitte seines Lebens kam er nach München zurück in die Heimat und wirkte fortan als Übersetzer, Musikschriftsteller, Lehrer, Fremdenführer und im ersten Weltkrieg auch im Geheimdienst. Seine musikalischen Fähigkeit können auch heute noch begeistern.
Artikel über Bauer
- John B. Bauer (Echo vom Gebirge 1906) von Heinrich von Reigersberg
- J.B. Bauer (Echo vom Gebirge 1919) von Heinrich von Reigersberg
- Stimmen aus dem Jenseits (Mitteilungen, 1948)
- Nachruf (Hausmusik, 1955) von Dr. Josef Brandlmeier
- Nachruf (Mein Saitenspiel, 1955) von W.O. Mickenschreiber
- Viel gespielt und doch vergessen (Zither, 2015), Artikel zum 150. Geburtstag von Franz Schenk
Schriften von Bauer
Von Bauer hatte sich auch journalistisch betätigt, insgesamt sind aber nur wenige Texte von ihm erhalten.
- "Putsch" stops Munich Music im Musical Digest 1923. Bauer hatte nach dem ersten Weltkrieg regelmäßig aus der Münchner Musikszene für die amerikanische Zeitung Musical Digest berichtet. Dieser Artikel ist auch wegen der politischen Ereignisse in München interessant.
- Anläßlich seines 85ten Geburtstages wird 1950 in den "Mitteilungen" dieser autobiographische Beitrag Bauers abgedruckt.
- Dieser von Bauer selbst verfasste Lebenslauf liefert einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis von Bauers Biographie. Er ist Teil des Einbürgerungsaktes und einer längeren Geschichte. Bauer hatte 1930 den Antrag auf die bayerische und damit auch die deutsche Staatsbürgerschaft gestellt und mit der Einbürgerungsurkunde auch zugesprochen bekommen. Nachdem Bauer ab etwa 1908 wieder dauerhaft in München lebte, musste er für den Erhalt seiner amerikanische Staatsbürgerschaft, die er seit 1888 innehatte, regelmäßig eidesstattlich erklären, dass er sich nicht dauerhaft endgültig im Ausland aufhielt. Einen solchen Antrag zur Aufrechterhaltung der Staatsbürgerschaft hatte er bspw. 1915 vom amerikanischen Konsulat in München bewilligt bekommen. In Folge des ersten Weltkrieges konnte Bauer schließlich die Anforderungen an den Erhalt der Staatsbürgerschaft nicht mehr erfüllen und wurde damit staatenlos. Warum er allerdings erst 1930 die erneute Einbürgerung in Deutschland beantragte, ist nicht bekannt. Bei seinen Angaben im Lebenslauf und in der eidesstattlichen Erklärung nimmt er es mit der Wahrheit nicht immer ganz genau. Einige Informationen wie bspw. den Priesterberuf unterschlägt er, die Angaben zu seinen Aufenthalten im Affidavit stehen teilweise im Widerspruch zu den Aussagen im Lebenslauf. Interessant ist der Antrag von 1915 aber auch in anderer Hinsicht: dieser enthält die einzige erhaltene Photographie seiner Frau Margarethe, die er ein Jahr zuvor in London geheiratet hatte.
Musikalisches Werk
Werkverzeichnis
Einige der Kompositionen von Bauer wurden bereits in den USA verlegt und sind teils auch noch erhalten. Von den Vokalkompositionen aus dieser Zeit gibt es allerdings keine Spuren. In München wurde er im Wesentlichen bei Hauser und Fiedler verlegt, zahlreiche Werke sind als Notenbeilagen des Echo vom Gebirge erschienen. Grundsätzlich teilt sich das Werk in die romantisch-lyrischen Stücke sowie die damals populären Formen der Unterhaltungsmusik, welche später entstanden waren. Die mehrstimmigen Werke Bauers sind geschickt eingerichtet.
Das Werkverzeichnis gibt einen Überblick über das Schaffen Bauers.
Werkschau und Notenbeispiele
In der Bayerischen Staatsbibliothek sind einige digitalisierte Noten von J.B. Bauer verfügbar. In der Regel sind die Stimmen dort nicht vollständig.
Einige Werke Bauers aus dem Hauser-Verlag sind noch heute bei Hermann Hauser, dem Nachfahren des Verlagsgründers Josef Hauser, zu beziehen. Dort sind auch Stimmen zu Werken verfügbar, welche in den unten folgenden Online-Quellen fehlen.
- Konzert Reverie No. 6 (Quelle: IMSLP) für 2 Diskantzithern, Violine und Cello, Werknummer 108. Dieses Werk erschien 1897 im Verlag von Franz Fiedler. Anfang der 20er Jahre erfolgt eine Neuauflage, wo das Werk dann die Bezeichnung "Myrthensträußchen" erhält. Bauer hatte eine Reihe (Konzert-) Reverien komponiert, von diesen sind einige leider verschollen. So wurden beispielsweise auf dem Kongress des Süddeutschen Zitherbundes 1905 in Hof laut Konzertbericht seine Reverien Nr. 4 und Nr. 7 aufgeführt, über welche nichts weiter bekannt ist.
- Die Konzert-Reverie No.9, Werknummer 125, später Weihegruß genannt, wurde auf dem Kongress des Süddt. Zitherbundes 1905 in Nürnberg aufgeführt. Von diesem für 2 Diskanz-Zithern, Altzither, 2 Violinen und Viola gesetzten Werk ist leider nur eine Fassung für eine Diskantzither erhalten, welche 1903 im Echo vom Gebirge als Musikbeilage erschienen war.
- Im März 1910 erscheint bei Johann Haslwanter als Reverie No. 10 mit Opus 126 sein Werk Auf Trifels' Höhen (Partitur und Einzelstimmen) (BSB Online). In der Besprechung des Werks im Echo vom Gebirge (1910) schreibt Heinrich von Reigersberg: "Wird diese Tondichtung nicht beachtet, so habe ich den Glauben an das künstlerische Wollen und Können unserer Vereine endgültig verloren, und wie ich fürchte, auch der prächtige Idealist, John B. Bauer."
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Sängers Morgenlied(BSB München)
Romanze für zwei Diskant- und eine Altzither, Violine und Cello, erschienen bei P.Ed. Hoenes in München-Pasing. In der Zeit, als Bauer noch nicht endgültig zurückgekehrt war, wohnte Bauers bei seinen Aufenthalten dort bei seiner Schwester in der Apfelstraße. - Bei der Mirzl auf der Zwieselalm ist die letzte im Echo veröffentlichte Notenbeilage von Bauer. Sie war 1917 während des ersten Weltkriegs erschienen, in dieser Zeit der Veränderungen richtete sich auch Bauers Leben neu aus, in der Zitherwelt trat er kaum mehr in Erscheinung. Vom Titel des Stücks darf man sich nicht täuschen lassen: auch wenn dieser Alpenkitsch und Massenware vermuten lässt, so ist der Schuhplattler-Ländler für zwei Stimmen raffiniert gemacht und sehr unterhaltsam.
- Heckenröserl ist eine Mazurka für zwei Zithern. Zuerst 1912 als Musikbeilage im Echo vom Gebirge erschienen, wurde sie dann auch im Verlag von Franz Fiedler verlegt. Sie ist einfach gehalten, hübsch und vergnüglich zu spielen.
- Resch und fesch ist 1913 als Musikbeilage im Echo vom Gebirge erschienen und später im Verlag von Franz Fiedler verlegt worden. Mit dem Marsch zeigt er, was er in der Unterhaltungsmusik vermag. Als Notenbeilage war nur eine Stimme vorhanden worden, in der Verlagsausgabe war das Werk für zwei Diskant-Zithern, Altzither, Violine und Gitarre gesetzt. Leider sind bislang nur die beiden Stimmen für Diskant-Zithern aufgetaucht.
- Zwiegespräch ist für Diskant- und Altzither gesetzt und war in seiner Zeit recht bekannt und wurde häufig als Beispiel für wertvollen, zweistimmigen Satz genannt.
- Die Tanz-Lieder (Quelle: BSB) sind eine Bearbeitung Bauers. Aus den schlichten Walzermelodien Mühlauers schöpft Bauer ein herrliches mehrstimmiges Werk. Hier lässt sich nachvollziehen, warum Bauer als Tonsetzer gerühmt wurde.
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Der Ländler 's Glück auf der Alm (BSB München)
mit Opus 145 wurde von Bauer für zwei Diskantzithern gesetzt, hier im Verlag Josef Hauser erschienen.
Josef Focht schreibt in seinem Artikel "Das Münchner Zitherspiel im 19. Jahrhundert", erschienen im Buch "Zwei Jahrhunderte Zither in München" (Hrsg. Volker D. Laturell), dass Bauer dieses Stück 1917 im Selbstverlag herausgebracht habe. Im Echo vom Gebirge im Juni 1917 heißt es in der Rubrik "Vom Musikalienmarkt", dass dieses Stück bei Jos. Hauser erschienen sei. Für die Tätigkeit Bauers als Verleger bräuchte es also noch weitere Belege. Zum Stück selbst liest man dort: "Die J.B. Bauerschen Weisen alpinen Charakters sind stets von gefühlswarmer Innigkeit und tragen den Stempel ungekünstelter Originalität. Dies gilt auch von vorliegenden Ländlern, die in ihrer Anspruchslosigkeit bei gutem Vortrage Gefallen finden werden." - Das letzte von Bauer veröffentlichte Werk war Waldveilchen, s. Musikbeispiele. Als vorletztes Werk erschien 1927 nach längerer Pause das Concertino B Dur mit Werknummer 107. Die Uraufführung fand in München durch Fritz Mühlhölzl statt und wurde 1926 in der Juli-Ausgabe des Echo vom Gebirge vom Opernkomponisten Albert Noelte sehr wohlwollend besprochen. 1927 erscheint das Werk schließlich im Verlag von Henry Vries. Nun folgen mehrere Besprechungen. Zuerst erfolgt im April 1927 durch Heinrich von Reigersberg eine ausführliche und positive Kritik. Als nächstes äußert sich im Mai 1927 in der Muse des Saitenspiels Richard Grünwald. Er betrachtet die formalen Kriterien des Satzbaus und findet kein gutes Wort. "Nichts verärgert den Kenner mehr, als wenn ein Nichtkönner mit glücklichen Eingebungen nichts anzufangen weiß und sie mit Nichtigkeiten wie Kraut und Rüben zusammenwirft. " Durch die Kritik Grünwalds sieht sich Reigersberg, der das Werk ja gelobt hatte, herausgefordert und verteidigt seine Position im Juli 1927 erneut im Zentralblatt. Die Auseinandersetzung, welche hier scheinbar über das Werk Bauers geführt wird, ist eigentlich eine andere. Die frühere enge und fruchtbare Beziehung Reigersbergs und Grünwalds ist zum Zeitpunkt dieser Auseinandersetzung offiziell noch intakt, aber hinter den Kulissen ist es schon vorbei. Die Nerven liegen blank, und es wird nur noch wenige Monate dauern, bis das Drama darin kulminiert, dass der Streit durch die Muse des Saitenspiels auf die Bühne öffentlicher Anschuldigungen gebracht wird. Zur gleichen Zeit erfährt dann Grünwald die Verletzung, die er nie vergeben wird, insbesondere gegenüber Mickenschreiber, als er auf der 50-Jahr-Feier des Zentralverbandes aus selbigem ausgeschlossen werden wird. Aber das ist eine andere Geschichte, die ein andern Mal erzählt werden soll.
Die Zeichnung stammt von Heinrich von Reigersberg.
Bauer und Amerika in Noten
Einige Werke Bauers zeigen seinen Bezug zu den Vereinigten Staaten. Diese sind sowohl in seiner Zeit in den USA als auch später in Deutschland erschienen. Herausgegeben wurden sie von Verlegern in beiden Ländern.
- Der MacCorkle-Marsch (Op. 112) gibt Zeugnis von der Zeit Bauers in den USA. Der Marsch wurde William MacCorkle, dem Gouverneur von West-Virginia, gewidmet und diesem von Mrs. Burt überbracht. Mit Mrs. Burt war er anscheinend gut bekannt, denn ihr widmete er das Stück "Regina", welches 1897 im Echo vom Gebirge als Musikbeilage erschien. Der MacCorkle-Marsch wurde 1896 bei George Jennings Co. in Cincinnati verlegt. Die Melodie hatte Bauer dann ein Jahr später erneut im Vorwärts-Marsch verarbeitet, der in Deutschland im Verlag von Franz Fiedler erschien. Auf dem Deckblatt ist seinem Namen die berufliche Anrede "Reverend" vorangestellt. Den Priester-Beruf wird er später ablegen.
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Mr. Georg A. Burt wiederum widmete Bauer den All Aboard March (Op. 117).
Burt war Vice President der Ohio River Railroad. Von Bauer ist bekannt, dass er ein begeisterter Zugfahrer war.
Mit der Ohio River Railroad konnte er von seiner abgelegenen Gemeinde St. Josephs
in zivilisiertere Gegenden gelangen.
In diesem Zusammenhang ist die Romanze Regina (Op. 114) interessant, da
sie eine Widmung an Mdm. George A. Burt, Parkersburg enthält. Das Stück wurde 1897 als Musikbeilage
im Echo vom Gebirge veröffentlicht.
Die Noten des All-Aboard-Marsches, die 1897 ebenfalls im Verlag von Georg B. Jennings erschienen waren, wurden freundlicherweise von The Willis Music Company aus deren Archiv zur Verfügung gestellt. Der Verlag Willis Music hatte ca. 1910 die Verlage John Church Co. und George B. Jennings & Company übernommen und existiert bis heute. Auf den Noten der beiden Märsche ist jeweils vermerkt, dass die Stücke am 23. Oktober 1954 aus dem Katalog des Verlages herausgenommen wurden. Fünf Tage später und 7000km entfernt stirbt Bauer in München. Eine ausgesprochen merkwürdige Koinzidenz.
Stempel auf den Noten des All Aboard-Marsches des Verlages, mit welchem die Aussonderung der Noten aus dem Verlagsprogramm dokumentiert wurde. -
Ebenfalls in den Vereinigten Staaten war 1894 die
Reverie Op. 96 für Violine und zwei Zithern
erschienen. Sie wurde damals im Verlag der John Church Company in Cincinnati
herausgegeben. Das hier vorliegende Exemplar stammt aus den Beständen
der Library of Congress, Washington, D.C..
Besprechung der im Verlag der John Church Company erschienenen Werke.
(Echo vom Gebirge, 1896, S.64\) - Der Marsch Gruss aus Amerika erschien 1899 als Musikbeilage im Echo vom Gebirge.
- Mit Op. 122 Virginia-Marsch (BSB München) referenziert Bauer seine zweite Heimat. Das Stück liegt hier als Quartett mit Gitarre-Begleitung vor und erschien zunächst 1909 bei Johann Haslwanter. In der Besprechung des Stücks durch Reigersberg im Echo vom Gebirge im Mai 1909 (S.85) erwähnt dieser, dass der Marsch für grosses Militärorchester demnächst im gleichen Verlag erscheinen würde. Eine spätere Notiz unter Vermischtes, im September 1909, ebenfalls im Echo vom Gebirge, ergänzt diesen Hinweis und teilt mit, dass dieser Marsch und auch Bauers Vorwärts! Marsch von einer Militärkapelle in München zur Aufführung gebracht wurde. Über diese durchaus denkwürdige Begebenheit ist leider nichts weiter bekannt. Es ist aber nicht unwahrscheinlich, dass es sich hier um das 2. Infanterie-Regiment Kronprinz gehandelt haben könnte, da zwischen dessen musikalischem Direktor Friedrich Hünn und Josef Hauser, welcher der Verleger des Virginia-Marsches war, eine Beziehung bestand.
- Die Niagara-Mazurka (Op. 127) war zunächst als Duett mit Gitarre-Begleitung konzipiert. Dieses hatte Bauer später mit einer weiteren Alt-Zither-Stimme und einem Streichquartett als Stück für Zitherorchester weiterentwickelt. Eine solche Besetzung war in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg an sich beliebt, bei Bauer regelrecht eine Spezialität.
- Die Romanze Träume am Ontario-See (Op. 128) war zunächst 1907 unter dem Titel Abendgedanken am Ontario-See für Zither und Violine als Musikbeilage im Echo vom Gebirge erschienen, dann aber von Bauer für Quartett erweitert und im Verlag von Franz Fiedler erschienen.
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Von der um die Jahrhunderwende zunehmenden Romantisierung der nordamerikanischen Ureinwohnerkultur
zeugt das Stück
Tonawandas Tanz (Op. 130).
Es ist für zwei Zithern und Gitarre gespielt und mit schönen musikalischen Einfällen
garniert.
Von der Gemeinschaft der Seneca-Indianer erzählt übrigens auch Henry Wormsbacher mit seinem Indian Intermezzo Erinnerung von Tonawands! (Remembrance of Tonawanda, Op. 42). Wormsbacher (1866-1934) war als gebürtiger Gießener ebenfalls Deutsch-Amerikaner. Er hatte eine große Bedeutung für die Entwicklung der Zither in Nordamerika(zither.us). Auch seine musikalische Würdigung Tonawandas ist musikalisch reizvoll. Dieses Stück war zunächst 1913 als Musikbeilage im Zentralblatt erschienen.
Nur die Ausgabe aus dem Haslwanter-Verlag wird vom Sternenbanner geziert.
Spätere Ausgaben aus dem Hauser-Verlag sind schlichter gestaltet.
Musikbeispiele
- Waldveilchen ist die letzte im Druck erschienene Komposition von Bauer, die auch durch die Schallplattenaufnahme des Vortrags von Fritz Mühlhölzl eine größere Bekanntheit erreicht hatte. Die Aufnahme ist 1932 entstanden.
- Der Vorwärts-Marsch (Quelle: IMSLP) ist für 2 Diskantzithern, Altzither und Violine gesetzt. Dieses Stück erscheint zunächst 1897 im Echo vom Gebirge in einer Ausgabe für eine Zither, im Verlag von Franz Fiedler wird dann die Quartett-Ausgabe veröffentlicht. Hier zeigt Bauer bereits, wie geschickt er in der Behandlung mehrer Stimmen vorgeht. Zur Zeit der Veröffentlichung befindet sich Bauer zwar noch in den USA, steht aber im Zuge seiner Besuche in Deutschland bereits in engem Kontakt mit Franz Fiedler und der Münchner Zither-Szene. Mit dem Stück erlangt Bauer eine gewisse Bekanntheit, es sind über viele Jahrzehnte Aufführungen des Stücks nachweisbar, der Marsch wird ein Dauerbrenner. Vom Vorwärts-Marsch existiert eine vom Zitherklub Neu-Kölln eingespielte Tonaufnahme auf Schellackplatte aus dem Jahr 1931, also mehr als dreißig Jahre nach erscheinen der Noten.
- Die Aufnahme von A fescher Weana wurde 1932 von Fritz Mühlhölzl eingespielt. Mit diesem Stück war Bauer sein durchlagenster Erfolg als Komponist geglückt. Nachdem es 1911 im Verlag von Josef Hauser erschienen war, ist es auf unzähligen Konzerten als Ensemblewerk oder Solodarbietung aufgeführt worden. Die Erstaufführung erfolgte durch die Münchner Zitherzunft, welche auch einige der damaligen Werke von Reigersberg sowie dem weniger in Bekanntheit gebliebenen Franz Lotterkäs auf- und uraufgeführt hatte. Das Ensemblemitglied Hermann Hauser, der Sohn von Josef Hauser, war das Bindeglied zum Hauser-Verlag. Die Noten von "A fescher Weana" sind auch heute noch bei Hauser erhältlich. Hier die ersten beiden Stimmen(BSB München).
- Die Komposition "Abschied" ist über die Zeit in verschiedenen Verlagen immer wieder verlegt worden. Zuerst war es 1894 in den USA unter dem Titel "Parting" bei John Church Company, Cincinnati, erschienen. Später wurde es 1922 im Echo vom Gebirge als Musikbeilage herausgebracht und 1923 im Verlag von Franz Fiedler erneut verlegt. Bauer hatte die Neuauflage dem großen Zither- und Gitarre-Spieler Fritz Mühlhölzl gewidmet, von dem auch eine Tonaufnahme auf Schellack-Platte dieses Werks eingespielt wurde. Im Verlag von August Seith erschien "Abschied" 1950 erneut(BSB München) und zuletzt, zum 150. Geburtstag des Künstlers, als Musikbeilage des Zither-Magazins in einer Bearbeitung von Leopold Hurt.
Wendepunkte
Die vielen unterschiedlichen Tätigkeitsfelder Bauers lassen eine interessante Persönlichkeit erkennen. Einfach war sein Lebensweg jedoch nicht immer und mit markanten Wendepunkten verbunden.
Bereits mit 16 Jahren kommt Bauer in die Vereinigten Staaten. Nach einer Ausbildung zum
Priester erhält er 1889 die Priesterweihe. Zunächst ist er
in Wheeling, dem Bischofssitz des Bistums Wheeling. Dort erreicht er
bald bekannt Bekanntheit für sein musikalisches Wirken.
Während in Europa seine ersten Kompositionen für die Zither ab 1891 im Echo vom Gebirge erscheinen,
werden in Amerika ab 1894 einige seiner Werke bei den Verlagen
John Church Co. sowie George B. Jennigs Co., beide in Cincinnati, herausgegeben.
Vor Ort in Wheeling werden seine Chorwerke vom Mädchenchor der St. Josephs Academy
in Wheeling aufgeführt. Besonders sein Stück "Ave Maria" für drei Singstimmen
findet im Laufe der Jahre immer wieder großen Anklang, Zeugnis geben bspw. die
Zeitungsberichte aus den Jahren
1891 und
1901.
Beruflich geht es nun weiter in andere Orte der Diözese. Zunächst nach Parkersburg,
dann nach Charleston, in die Hauptstadt West Virginias, und schließlich Ende 1895 nach St. Josephs.
Der Artikel im Wheeling Register", welchem
die Versetzung dorthin zu entnehmen ist, offenbart auch einige Charakteristika
dieses Ortes.
St. Josephs ist ein abgelegenes Bergwerksstädtchen, welches in dieser Zeit einen
kleinen Ölboom erlebte. Größere Orte mit kulturellem Leben sind nun weit entfernt.
St. Josephs ist kein Ort, wo die Muse um jede Ecke lugt.
Als ihm seine Eltern 1898 eine Kerschensteiner-Zither schicken, dürfte ihm das
eine willkommene Abwechselung gewesen sein. Bemerkenswerterweise berichtet das
Lokalblatt "Wheeling Register" darüber in einem kleinen Artikel.
So erfahren wir, dass die neue Zither im Schaufenster seines Verlegers F.W.Baumer ausgestellt wurde
und etwa 300 Dollar gekostet hatte.
Auch im Echo vom Gebirge
findet das seine Erwähnung (letzter Eintrag unter "Vermischtes").
1901 bereist Bauer für ein halbes Jahr Europa, dabei kommt er auch in Kontakt
mit der Zitherwelt. Seine Rückreise nach Amerika wird
in der Rubrik Redaktionstelefon des
Echo vom Gebirge 1901 wie folgt vermerkt:
"J.B.B. in St.J. Hoffend, dass Sie in der neuen Welt gut angekommen sind, senden wir Ihnen freundliche Grüße nach, wobei wir die Erwartung hegen, recht bald den Flug Ihres Geistes in Form lieblicher Kompositionen bewundern zu können."Im Wheeling Register wird seine Rückkehr aus Europa ebenfalls erwähnt.
Der Beruf des Priesters engt ihn zunehmend ein, der Bergwerksort bietet keinen guten Nährboden für seine musischen Fähigkeiten, viele Bedürfnisse und Fähigkeiten bleiben unbefriedigt. Darüber wird er krank, heute würden wir von einem psychosomatischen Krankheitsbild sprechen. Einblicke in diese Phase erlaubt die Korrespondenz zwischen ihm und den für ihn zuständigen Bischof Donahue in Wheeling in West Virginia. Dieser Briefwechsel wurde dankenswerterweise durch David Kyger (zither.us) aufgestöbert und zur Verfügung gestellt.
In dem ersten Brief an den Bischof Donahue kündigt sich 1903 un der Umbruch an. Bauer beantragt aus gesundheitlichen Gründen, aus dem Dienst in der Gemeinde entlassen zu werden. Der Bischof entspricht dem Ansinnen. Mehrfach hebt Bauer in seinen Briefen seine nervöse Erkrankung hervor, die in oft tagelang, zuweilen auch über Wochen unfähig zu jeglicher Arbeit macht.
Einen ersten Lichtblick erlebt er, als seine Schwester 1905 heiratet. Er kann
vor Ort in München anwesend sein und vollzieht auch die Trauung.
Insgesamt bleibt er nun ein Jahr in Deutschland und nimmt am Leben teil.
Das Leben in München ist für ihn eine Befreiung von der seelischen Last und ermöglicht ihm
den Kontakt mit der für ihn so wichtigen Musik.
So kann er beispielsweise nach Hof zum Kongress des Süddt. Zitherbundes reisen, wo
zwei seiner Reverien auf dem Programm stehen.
Von seiner eigenen Anwesenheit erfahren wir aus dem
Kongressbericht,
ebenso, dass er zusammen mit den Herren Fiedler, Stritzingen und Keller selbst vorträgt.
Auf dem Konzert wurde zudem sein Lied "Du bist wie eie Blume"
für Bariton, Violine und Piano aufgeführt. Dieses Stück ist eine Vertonung des Gedichts von Heinrich Heine
und stammt noch aus seiner Zeit in West Virginia.
für "Thou art unto like a flower" von Rev. John B. Bauer.
Zurück in den Vereinigten Staaten setzt er 1907 seine berufliche Tätigkeit in der Gemeinde Parkersburg fort. Aber seine gesundheitlichen Probleme setzen wieder ein. Die Versuche, sich aus seiner beruflichen Sackgasse zu befreien, werden durch seine familiäre Situation erschwert. Da Bauer aus einem religiös geprägten Elternhaus kommt, erfährt er von seinen Eltern keine Unterstützung, im Gegenteil. Sein Vater interveniert mit einem Brief an Bischof Donahue, worin er diesen unter dem Mantel der Verschwiegenheit darum bittet, den Sohn John nicht wieder nach Deutschland zu lassen. Der letzte Aufenthalt sei zu lang gewesen und würde dessen Seelenheil gefährden. Der bald darauf folgende Brief von Bauer an den Bischof, worin er um eine Versetzung nach Europa bittet, bleibt daher auch ohne Erfolg. Der Bischof lehnt ab.
Bauer ist nervlich am Ende. Er verlässt schließlich die Gemeinde Parkersburg und wird ein Jahr lang beurlaubt, um sich eine andere Stelle zu suchen. Er ist dann zunächst ein Jahr in New York bei Prof. Paff, einem früheren Lehrer von ihm, bevor er 1908 wieder nach München-Pasing zu seiner Schwester reist. Auch wenn es ihm zu dem Zeitpunkt selbst noch nicht klar sein dürfte: ab jetzt ist München sein Lebensmittelpunkt, er wird nur noch als Besucher zurück nach Amerika kommen.
Das Werk ist Rev. Hugo Paff gewidmet (der Name wurde auf dem Titelblatt falsch geschrieben).
Paff war einer von Bauers Lehrern in den USA. Hier bedankt er sich bei ihm für die Unterstützung, die er bei ihm im Jahr davor in seiner schwierigen Umbruchszeit gefunden hatte.
Weiterhin schreibt er in regelmäßigen Abständen an den Bischof, vor allem, um sein Celebret, also seine Erlaubnis außerhalb seiner Heimatdiözese die Messe zelebrieren zu dürfen, zu verlängern. So erfahren wir in einem Brief aus dem Jahr 1909 auch von seiner Kneipp-Kur in Wörishofen und seinen musikalischen Studien. Letztmalig bittet Bauer Ende 1912 um eine Verlängerung des Celebrets. Damit endet auch der Briefverkehr mit Bischof Donahue. Die Wende ist erreicht.
Im Jahr 1912, vielleicht auch bereits früher, tritt Fräulein Margarethe Maria Steinmetz in Bauers Leben. Die Zuneigung Bauers manifestiert sich für Außenstehende mit der Veröffentlichung seiner Fantasie Der ersten Liebe goldne Zeit, welche im Verlag von Josef Hauser im September 1912 verlegt wird. Diese Fantasie komponierte er für Altzither, Diskantzither, Streichzither und Cello. Das Stück mit Werknummer 139 ist Fräulein Grete Steinmetz freundlichst gewidmet.
Verlag Josef Hauser, München, 1912.
Dieses Stück ist auch deshalb besonders, weil Bauer der Altzither die Stimmführung zuweist.
Dass diese Beziehung eines katholischen Priesters nicht unproblematisch gewesen sein dürfte, ist offenkundig. Dennoch wird am 13. Januar 1914 geheiratet. Die Ehe wird in London geschlossen, dies wohl weniger als ein Ausdruck der Weltläufigkeit als der Heimlichkeit. Ob die Eltern, welche beide im darauffolgenden Jahr sterben, vor ihrem Tod von der Hochczeit des Sohnes erfahren hatten, bleibt Gegenstand für Spekulationen.
Für Bauer hatte ein gänzlich neues Leben begonnen. Alles bringt ihm nun Verbesserung. Auch der einsetzende erste Weltkrieg bietet ihm die Gelegenheit, seine Erfahrungen und Fähigkeiten zum Einsatz zu bringen. Als Bauer im Jahr 1930 im Zuge seiner bayerischen Einbürgerung seinen Lebenslauf verfasst, finden sich darin zahlreiche abenteuerliche Begebenheiten. Den früheren Beruf als Priester erwähnt er hingegen nicht. Bauer hat sein Leben in die Hand genommen und auch die Deutungshoheit über seine Geschichte beansprucht. Diese biographische Flexibilität wirkt nicht unpassend angesichts der geheimdienstlichen Tätigkeiten, die er im Lebenslauf erwähnt.
Seine berufliche Befreiung ist für uns ein Glück. Hätte er weiterhin den Priesterberuf ausgeübt, so wären seine von Lebensfreude und Wärme geprägten Kompositionen aus der Münchner Zeit wohl nie entstanden.