Zither-Zeitschriften
Zeitschriftentitel
Im Laufe der letzten ca. 150 Jahre sind eine ganze Reihe von Zither-Zeitschriften erschienen. Viele dieser Zeitschriften sind über Jahre und Jahrzehnte in einem monatlichen Turnus erschienen. Als Quelle für die Erforschung der Zithergeschichte ergibt sich damit ein zugleich umfassender wie auch schwer erschließbarer Fundus. Hier zunächst eine Übersicht über die wesentlichen Titel, die mindestens mehr als ein Jahr lang erschienen sind, geordnet nach der Zeit des Erscheinens der ersten Ausgabe (zur besseren Übersichtlichkeit werden bei wechselnden Namensgebungen nur die gebräuchlicheren Titel aufgeführt):
- [1878] Centralblatt der Deutschen Zithervereine (ab 1911 Zentralblatt, Verband deutscher Zithervereine)
- [1879] Zither-Signale (P. Ed. Hoenes, Trier)
- [1881] Harmonie (Eulenburg, Leipzig)
- [1882] Wiener Zither-Journal (Siegfried Steiner, Wien; ab 1887 Franz Wagner, Wien)
1883 (11/1882 - 12/1883) (ÖNB Wien)
1884 (01/1884 - 12/1884) (ÖNB Wien) - [1883] Der Troubadour, Fachblatt für die gesammten Interessen des Zitherspiels (Lerche, Wien)
1883 - 1884(ÖNB Wien)
1885(ÖNB Wien)
1886(ÖNB Wien) - [1883] Echo vom Gebirge - Fachblatt für die Interessen des Zitherspiels (Franz Fiedler, Tölz, später München)
Spätere Titel-Zusätze: Illustriertes Fachblatt für Zitherspiel, Central-Organ sämtlicher Zithervereine, Organ des Süddeutschen Zither-Bundes
In der Bayerischen Staatsbibliothek liegen die folgenden Jahrgänge digital vor:
1883 1884 1885 1886
1887 1888 1889 1890
1891 1892 1893 1894
1895 1896 1897 1898
1899 (BSB München) - [1884] Musikalische Zeitschrift (Stomps, Luxemburg)
- [1885] Novitäten-Anzeiger für die Zither-Welt (Hauser, München)
Ab 1885 bringt Hauser unter wechselnden Bezeichnungen diese Verlagsschrift heraus. Ob der Novitäten-Anzeiger wegen des eher geringen redaktionellen Inhalts vielleicht besser unter den Verlagsprogrammen eingeordnet werden sollte, ließe sich debattieren. Da Hauser aber seine 1896 erscheinenden Signale (s. unten) in die direkte Nachkommenschaft der Novitäten-Anzeiger stellt, lässt sich eine Darstellung im Bereich der Zeitschriften rechtfertigen.
Die folgenden Jahrgänge sind bei der Bayerischen Staatsbibliothek digital verfügbar:
1885 1886 1887 1888 (BSB München)
- [1888] Die Zither (Freytag, Hamburg-Göttingen)
10/1888 - 09/1889 Jahrgang 1 (Universitätsbibliothek Göttingen)
10/1888 - 09/1889 Jahrgang 1 (BSB München)
10/1889 - 03/1890 Jahrgang 2 (BSB München) - [1888] Lose Blätter (Kniep, Paderborn)
- [1892] Centralblatt der Zithervereine : Organ des Centralverbandes der Zithervereine der österr.-ungar. Monarchie (Sacher bzw. Neckham, Wien)
10/1892 - 09/1894 (ÖNB Wien)
10/1894 - 07/1896 (ÖNB Wien) - [1896] Signale für die Zitherwelt (Hauser, Erding)
Ab 1896 betitelt Hauser seinen Novitäten-Anzeiger, nun im zwölften Jahrgang, mit Signale für die Zitherwelt und füllt die Seiten mit verschiedenen Inhalten. Bei diesen Beiträgen ist vor allem Hans Kennedy als Autor erkennbar, der im Hauser-Verlag auch eine Zitherschule und mehrere Bücher herausgebracht hatte.
1896 1897 1898 (BSB München)
- [1896] Münchener Zither-Zeitung (Hauser-Kennedy, München)
Jahrgang 1896 (BSB München) - [1900] Echo vom Gebirge Ausgabe für Österreich-Ungarn (Rohrer, Wien)
- [1907] Münchener Zitherfreund, ab 1908: Münchner Zither-Zeitung (Dondl, München)
Jahrgänge 1907-1909 und 1921-1930 (Hochschule für Musik und Theater, München) - [1909] Der Dilettant, ab 1910: Hausmusik - Allgemeine Volks-Zitherzeitung, ab 1949: Volkstümliche Fachzeitschrift zur Pflege der Hausmusik (Seith, München)
- [1919] Chronik der Volksmusik (Kollmaneck, Leipzig)
- [1919] Muse des Saitenspiels (Grünwald, Bad Honnef)
- [1923] Nachrichten des Verbands Westdeutscher Zithervereine
- [1934] Die Zither (Mickenschreiber, Essen)
Hervorgegangen aus dem Echo vom Gebirge und dem Zentralblatt im Zuge der Gleichschaltung im 3. Reich. Mit dieser Mitteilung aus April 1940 endet das Erscheinen dieser Zeitschrift abrupt. Es kursiert die Erzählung, dass die Ausgabe 1940/April bereits gedruckt, aber nie ausgeliefert wurde. - [1936] Die Volksmusik - Zeitschrift zur Pflege und Förderung der deutschen Volksmusik (Mantzke, Berlin)
Die Volksmusik erscheint ab 1936 als Informationsschrift der Reichskulturkammer. Ab 1938 werden zwei Ausgaben herausgebracht: Ausgabe A für Streich- und Blasmusik, Ausgabe B für Zupf- und Balgmusik. Mit Einstellung des Erscheinens der "Hausmusik" (1938), "Muse des Saitenspiels" (1939) und "Die Zither" (1940) war "Die Volksmusik" die einzige Zeitschrift zur Behandlung zitheristischer Interessen. Im Jahr 1943 schließlich wird "Die Volksmusik Ausgabe B" mit "Die Handharmonika" und "Gut Ton" zur Zeitschrift "Musik am Feierabend" als Publikationsorgan des Reichsverbandes für Volksmusik in der Reichsmusikkammer zusammengelegt. Im Februar 1944 wird auch diese Zeitschrift eingestellt. Für die restliche Dauer des Krieges und bis Erscheinen der Mitteilungen bleiben nun die Zitherspieler ohne Nachrichtenblatt. - [1948] Mitteilungen des Deutschen Zithermusik-Verbandes (Meder, Bochum), ab 1951: Mein Saitenspiel (Meder, Bochum)
- [1961] Musikalische Monatsschrift für Zither- und Volksmusikfreunde (Schiede, München)
- [1963] Saitenspiel (Schiede, München)
Die Zeitung Saitenspiel erscheint mit der Gründung des Deutschen Zithermusik-Bundes. Die vorherigen Zeitschriften "Mein Saitenspiel" und "Musikalische Monatsschrift" gehen darin auf. - [2013] Zither
Organ des Deutschen Zither-Musikbundes, Fortsetzung von "Saitenspiel"
Für die Darstellung des Erscheinungsverlaufs der Zitherzeitschriften dient die folgende
Übersichtsliste:
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Noten-Beilagen
Viele Zeitschriften wurden mit einer oder auch mehreren Notenbeilagen ausgeliefert. Das Publikum waren schließlich Zitherspieler. Diese Noten sind auch heute noch interessant, und das in mehrerer Hinsicht. Zunächst dokumentieren sie jeweils den Geschmack der Zeit und auch den von den Redaktionen antizipierten Geschmack des Publikums. Das macht die Notenbeilagen für die Erforschung der Zithergeschichte sehr wertvoll.
Zudem wurden Werke von nahezu allen bekannten Komponisten in einer oder mehrerer der Zeitschriften veröffentlicht. Damit sind diese Notenbeilagen auch eine wichtige Quelle zu Werk-Erschließung der Komponisten.
Nicht zuletzt liegt mit den tausenden von Notenbeilagen natürlich auch ein wichtiges Musik- und Kulturgut vor, das bewahrt werden sollte.
Die Abfolge der Notenbeilagen für einige der Zitherzeitschriften lässt sich in den nachfolgenden (nicht ganz vollständigen) Tabellen nachvollziehen:
- Zentralblatt
- Echo vom Gebirge
- Die Zither
- Hausmusik
- Münchner Zither Zeitung
- Muse des Saitenspiels (einschließlich der Notenblätter der Musenfreunde 1950-1953):
Verzeichnis der Notenbeilagen,
Übersicht aus einem Bestandsverzeichnis des Grünwaldverlags - "Mitteilungen" und "Mein Saitenspiel"
- Saitenspiel
Festschriften
Von vielen Verbänden und Vereinen sind zu den Verbandstagungen und Festveranstaltungen Programme und Festschriften herausgegeben worden. Auch diese sind eine wertvolle Informationsquelle und oft auch eine interessante Lektüre.
- 1901 hatte eine besondere Verbandstagung in Weimar stattgefunden. Einerseits war es eine Feier zum 25jährigen Bestehen des Zentralverbandes. Andererseits war es ein gemeinsames Verbandsfest zusammen mit dem Süddeutschen Zitherbund. Angesichts der unablässigen Animositäten der Zitherspielervereinigungen war eine solche gemeinsame Festveranstaltung keine Kleinigkeit.
- Das 50jährige Jubiläum des Zentralverbandes wurde 1927 mit einer Verbandstagung in Berlin gefeiert. Zu diesem Anlass wurde eine aufwändig produzierte Festschrift herausgegeben, welche noch heute begeistern kann. Es finden sich viele lesenswerte Beiträge rund um die ZIther und die Verbandsgeschichte. Ein besonderes Highlight sind die elf als Autographen abgedruckten Kompositionen, die Liste der Verfasser liest sich als ein who is who der damaligen Zeit. Die Festschrift wurde von Otto Erbe gestaltet, der als Maler und Grafiker in Köln tätig war und auch zahlreiche Kompositionen für die Zither veröffentlichte.
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Auch die Festschrift vom
Kongress 1961 in Bad Kreuznach
liefert Zeugnis einer besonderen Veranstaltung. Es war der erste Kongress
des 1959 neu begründeten Verbandes Deutscher Zithermusik-Vereine 1877.
Der in Kassel 1877 gegründete Zentralverband wurde im Zuge der Gleichschaltung
im Nationalsozialismus aufgelöst.
Nach dem Krieg hatte sich die Zitherszene als Deutscher Zithermusik-Verband
aus den "Resten" des Verbandes Deutscher Zither-Vereine und dem
Verband Westdeutsscher Zithervereine neu konstituiert.
Auf Betreiben von Karl Sieß, Wilhelm Meder, Walter Jellinghaus, Otto Erben u.a. wurde nach deren Lesart im Jahr 1959 der "Verband Deutscher Zithervereine" neu konstituiert. Faktisch war dies allerdings keine Neugründung, sondern eine Abspaltung vom bestehenden Verband, der sich natürlich auch in der Tradition des ursprünglichen Zentralverbandes gesehen hatte. -
Die Verbandsgeschichte erlebte nun eine rasche Entwicklung. Im Jahr
1963 wurde der Deutsche Zithermusik-Bund gegründet, welcher bis heute
existiert. Dieser Zithermusik-Bund bildete den Zusammenschluss aus
dem Bayerischen Fachverband für Volksmusik,
dem Deutschen Zithermusik-Verband 1877,
dem Süddeutschen Zitherbund,
dem Verband Deutscher Zithermusik-Vereine
sowie dem Zitherbund Schwaben.
Der
Bundeskongress in Frankfurt
1964 war die erste Kongressveranstaltung des Zithermusik-Bundes.
Die Konsolidierung der Zithervereinigungen verläuft in der Zithergeschichte in Wellenbewegungen, es scheint hier eine besondere Gesetzmäßigkeit zu geben. Auf Zusammenschluss folgt Spaltung, keine zwanzig Jahre später trennt sich wiederum der Bayerische Landesverband vom Zitherbund und geht eigene Wege. Und auch diese Geschichte setzt sich fort...
Quellen und Fundstellen
- Das Archiv des Zithermusikbundes beherbergt eine große Sammlung von Zither-Zeitschriften, von denen einige bereits digitalisiert sind. Bislang sind sie allerdings nicht über das Internet recherchierbar.
- Wölki, Konrad; Übersicht Zupfmusikjournale; 1979